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Unsere Vorbilder haben wir gut einstudiert

Unsere Vorbilder haben wir gut einstudiert



Und jetzt fragen Sie sich mal, wer waren denn Ihre Vorbilder, wo haben Sie gelernt, wie man zusammenlebt, wo haben Sie ein Leben lang abgeguckt? Na, die Antwort fällt eigentlich leicht, denn es gibt nur eine: es waren Ihre Eltern, deren Beziehung Sie bewußt/unbewußt einstudiert haben und irgendwann geht es ab auf die Bühne des Lebens, und damit beginnt das Theater. Denn natürlich hat die Partnerin oder der Partner auch sein Bühnenstück einstudiert, aber ein ganz anderes.

Und damit ist die Katastrophe vorprogrammiert. Zwei völlig verschiedene einstudierte Stücke prallen aufeinander, man redet aneinander vorbei, sieht nur seine Wirklichkeit der Dinge und aus ist es. Wir haben uns in den anderen Kapiteln ja schon mit den wichtigsten Teilbereichen unserer Lebenswirklichkeit beschäftigt.

An dieser Stelle will ich daher eine Geschichte von Bertolt Brecht erzählen lassen, die viel besser den Blick auf eine der Voraussetzungen für eine lange, wenn nicht lebenslange Beziehung lenkt, als ich das tun könnte.

Die Geschichte lautet folgendermaßen: "Herr Keuner befragte zwei Frauen über ihren Mann. Die eine gab folgende Auskunft: 'Ich habe zwanzig Jahre mit ihm gelebt. Wir schliefen in einem Zimmer und auf einem Bett. Wir aßen die Mahlzeiten zusammen. Er erzählte mir alle seine Geschäfte. Ich lernte seine Eltern kennen und verkehrte mit allen seinen Freunden. Ich wußte alle seine Krankheiten, die er selber wußte, und einige mehr. Von allen, die ihn kennen, kenne ich ihn am besten.' 'Kennst du ihn also ?, fragte Herr Keuner. ‘Ich kenne ihn.' Herr Keuner fragte noch eine andere Frau nach ihrem Mann. Die gab folgende Auskunft: ‘Er kam oft längere Zeit nicht, und ich wußte nie, ob er wiederkommen würde. Seit einem Jahr ist er nicht mehr gekommen. Ich weiß nicht, ob er wiederkommen wird. Ich weiß nicht, ob er aus den guten Häusern kommt oder aus den Hafengassen. Es ist ein gutes Haus, in dem ich wohne. Ob er zu mir auch in ein schlechtes käme, wer weiß es ? Er erzählt nichts, er spricht mit mir nur von meinen Angelegenheiten. Diese kennt er genau. Ich weiß, was er sagt, weiß ich es ? Wenn er kommt, hat er manchmal Hunger, manchmal aber ist er satt. Aber er ißt nicht immer, wenn er Hunger hat, und wenn er satt ist, lehnt er eine Mahlzeit nicht ab. Einmal kam er mit einer Wunde. Ich verband sie ihm. Einmal wurde er hereingetragen. Einmal jagte er alle Leute aus meinem Haus. Wenn ich ihn ‘dunkler Herr' nenne, lacht er und sagt: Was weg ist, ist dunkel, was aber da ist, ist hell. Manchmal aber wird er finster über dieser Anrede. Ich weiß nicht, ob ich ihn liebe. Ich...' 'Sprich nicht weiter', sagte Herr Keuner hastig. 'Ich sehe, du kennst ihn. Mehr kennt kein Mensch den andern als du ihn."


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